Das "Gold des kleinen Mannes" ist erwacht. Nach Jahrzehnten im Schatten seines großen Bruders hat Silber Ende 2025 nicht nur die psychologisch wichtige Marke von 50 USD durchbrochen, sondern greift nach neuen historischen Höhen. Doch anders als bei der Spekulationsblase der Hunt-Brüder 1980 treiben diesmal fundamentale Industriekräfte den Preis. Wir analysieren die Treiber, das massive Defizit und verraten, warum Experten Kursziele von über 100 USD nicht mehr für Utopie halten.
Lange Zeit galt die Marke von 50 US-Dollar als der „Eiserne Vorhang“ für den Silberpreis. Diese Barriere, die sowohl 1980 als auch 2011 den Bullenmarkt stoppte, wurde in der aktuellen Rallye Ende 2025 getestet und zeitweise überschritten (Preise in der Spitze bis ca. 54–56 USD).
Charttechniker wie Michael Oliver (Momentum Structural Analysis) weisen darauf hin, dass dieser Ausbruch mehr ist als nur eine Preisspitze. Es ist eine strukturelle Veränderung. Sobald Silber sich nachhaltig oberhalb der 50er-Zone etabliert, gibt es technisch gesehen kaum noch historischen Widerstand – der Weg in den "Blue Sky" (unerkundetes Preisterritorium) wäre frei.
Es ist keine reine Spekulation, die den Preis treibt. Es ist die Physik des Marktes: Das Angebot reicht schlicht nicht aus.
Das Silver Institute meldet seit 2021 ein chronisches Marktdefizit. Die Zahlen sind alarmierend:
In den vier Jahren von 2021 bis 2025 summierte sich das kumulierte Defizit auf fast 800 Millionen Unzen. Das entspricht fast einer kompletten Jahresproduktion aller Silberminen weltweit!
Die Lagerbestände an den großen Börsen (COMEX in New York und LBMA in London) sowie in China sind auf Mehrjahrestiefs gefallen.
Rick Rule, eine Legende im Rohstoff-Investment, bringt es auf den Punkt: „Wir verbrauchen das Kapital der Vergangenheit.“ Die Industrie zehrt von oberirdischen Beständen, die nun zur Neige gehen.
Die Energiewende ist silberhungrig. Neue Solarzellentechnologien wie TOPCon (Tunnel Oxide Passivated Contact) und HJT (Heterojunction) sind effizienter, verbrauchen aber deutlich mehr Silberpaste als alte Modelle.
Schätzungen gehen davon aus, dass allein die Photovoltaik-Industrie mittlerweile über 20% der globalen Silberversorgung verschlingt.
Dazu kommt der KI-Boom: Neue Rechenzentren und die Elektrifizierung (EVs) benötigen Silber für Chips und Kontakte. Silber ist das leitfähigste Element der Erde – in einer elektrifizierten Welt ist es unverzichtbar.
Mit dem „Fed Pivot“ (Zinssenkungen der US-Notenbank) wird der US-Dollar tendenziell schwächer, was Rohstoffe für Käufer aus anderen Währungsräumen billiger macht. Gleichzeitig kaufen Zentralbanken (z.B. Indien) Silber als strategische Reserve, um sich gegen Währungsrisiken abzusichern.
Während konservative Bankanalysten (z.B. UBS, Citi) ihre Kursziele für 2026 oft im Bereich von 45 bis 55 USD anpassen (Konsolidierung auf hohem Niveau), blicken Brancheninsider deutlich weiter.
Keith Neumeyer (CEO First Majestic Silver): Er ist einer der lautesten Bullen. Sein Argument: Das Gold-Silber-Ratio (GSR) ist historisch gesehen viel zu hoch. Würde Silber zu seinem historischen Förderverhältnis zu Gold (ca. 1:8) gehandelt, müsste der Preis bei Goldkursen von 3.000 $ rechnerisch bei über 300 $ liegen. Sein realistischeres, aber immer noch aggressives Ziel: „Dreistellige Kurse (100 USD+) sind nur eine Frage der Zeit.“
David Morgan („The Silver Guru“): Morgan sieht in seiner Analyse für 2025/2026 das Potenzial für einen „Blow-off Top“ – eine finale, explosive Phase der Übertreibung, wie wir sie oft am Ende von Rohstoffzyklen sehen. Er warnt aber auch: Nach solchen parabolischen Anstiegen folgen oft scharfe Korrekturen.
Aktuell liegt das Gold-Silber-Ratio (GSR) noch immer im Bereich von ca. 75–80.
Was das bedeutet: Man braucht 80 Unzen Silber, um eine Unze Gold zu kaufen.
Historischer Durchschnitt: Langfristig liegt dieser Wert eher bei 40–60.
Die Chance: Sollte das Ratio auf seinen historischen Durchschnitt von ca. 50 zurückfallen (Mean Reversion), würde Silber – selbst wenn der Goldpreis stagniert – massiv an Wert gewinnen müssen (Verdopplungspotenzial gegenüber Gold).
Wir befinden uns in einer Phase, die Experten als „Preisfindung in einem Mangelmarkt“ bezeichnen. Für Anleger bedeutet das:
Volatilität aushalten: Silber schwankt stärker als Gold. Rücksetzer von 10-20% sind im Bullenmarkt normale „Kaufgelegenheiten“ (Buy the Dip).
Physisch ist King: Angesichts leerer Lagerbestände ist physisches Silber (Münzen/Barren) der sicherste Weg, um keinem Papierversprechen (ETF) aufzusitzen, das im Ernstfall nicht lieferbar ist.
Aktien als Hebel: Minenaktien (wie First Majestic, Pan American Silver) haben oft einen Hebel auf den Silberpreis, bergen aber auch unternehmerische Risiken.
Unsere Einschätzung: Solange die Industrie mehr verbraucht, als Minen fördern können, zeigt der Pfeil langfristig nach oben. Das Allzeithoch von 2025 könnte in den Geschichtsbüchern nur als „Startrampe“ vermerkt werden.
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Bleiben Sie weitsichtig,
Ihr Nils Gregersen
Haftungsausschluss: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Edelmetalle unterliegen Preisschwankungen. Recherchieren Sie stets selbst (Do Your Own Research).
